: 5 Tipps für den Reifenwechsel

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Bald ist es wieder so weit! Der Reifenwechsel steht an. Auch wenn das Wetter gerade noch dem Begriff des Goldenen Oktobers alle Ehre macht, kann der Winter schon ab Oktober jederzeit einbrechen. Sinken die Temperaturen und fallen unter Null, kann der Boden schnell gefrieren. Rutschgefahr droht! Auch bei starkem Regen oder wenn das Herbstlaub sich wieder wie ein Teppich auf den Asphalt legt, können Sie froh sein, wenn Sie mit Winterreifen unterwegs sind. Nicht ohne Grund lautet die Faustregel für die Winterreifen: von O bis O. Das bedeutet, dass Sie von Oktober bis Ostern auf Winterreifen fahren sollten. Im Umkehrschluss natürlich von Ostern bis Oktober mit Sommerreifen. Ganz gleich, ob Sie Ihre Räder selbst wechseln oder dafür in eine Werkstatt gehen – folgende 5 Tipps sollten Sie unbedingt beachten, um sicher durch den Winter zu kommen.

Reifenwechsel, aber richtig: 5 Tipps

1. Rechtzeitig wechseln

Muss man eigentlich Winterreifen aufziehen? Zunächst einmal besteht in Deutschland laut Straßenverkehrsordnung keine Pflicht für Winterreifen innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Vorgeschrieben ist aber, dass Ihre Ausrüstung an die Straßenverhältnisse anzupassen ist. Bei schlechtem Wetter, sei es wegen Schnee oder Eisglätte, müssen also Winterreifen ran. Werden Sie mit Sommerrädern erwischt, ist ein Bußgeld von 60 Euro fällig. Einen Punkt in Flensburg gibt es gleich mit dazu. Behindern Sie außerdem andere, etwa weil Sie mit Sommerreifen liegen- oder steckenbleiben, müssen Sie mit 80 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg rechnen. Ein Räderwechsel in der Werkstatt kostet Sie nicht einmal die Hälfte!

Rechtzeitig einen Termin in der Werkstatt machen

Apropos Werkstatt: Vereinbaren Sie unbedingt rechtzeitig einen Termin zu Reifenwechseln. Denn auch wenn die Profis sich auf die hochfrequentierten Reifenwechsel-Zeiten vorbereiten und viele sogar zusätzlich Aushilfen zur Reifenmontage einstellen, um den Andrang zu bewältigen, sind Werkstätten oft überlaufen. Wenn Sie sich früh um einen Termin bemühen, sind Sie auch rechtzeitig vor Wintereinbruch startklar für eine sichere Fahrt. Ein Radwechsel dauert dank routinierten Personals und Profi-Ausstattung in der Werkstatt gerade einmal 30 Minuten. Die Werkstatt kann die Reifen dann wenn nötig auch Auswuchten und Sie haben länger etwas von Ihren Reifen.

2. Anleitung zum Selbst wechseln

Hinweis: Wenn Sie nicht ausreichend Erfahrung beim Reifenwechsel haben, sich unsicher sind, sehr große SUV-Räder haben oder Besonderheiten wie ein Reifendruck-Kontrollsystem (RKDS) vorhanden sind, sollten Sie lieber eine Fachwerkstatt aufsuchen. Immerhin riskieren Sie sonst Ihre Sicherheit. Trauen Sie sich die Reifenmontage selbst zu, können Sie nach der folgenden Anleitung vorgehen.

Die richtige Vorbereitung

Bevor Sie beginnen, sollten Sie erst einmal Ihre Winterreifen checken. Aktuell erkennen Sie Winterreifen an dem sogenannten Alpine-Symbol, also einem Bergpiktogramm mit einer Schneeflocke. Ältere Reifen mit der M+S-Kennzeichnung sind auch noch wintertauglich, wenn Sie nicht später als am 31. Dezember 2017 hergestellt wurden – und wenn Sie intakt sind. Prüfen Sie, ob die Reifen frei von Beschädigungen und Rissen sind, die Reifen nicht abgefahren sind und schauen Sie auf das Alter. Die vorgeschriebene Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 Millimeter. Der ADAC und ACE empfehlen jedoch für Winterreifen vier Millimeter, für Sommerreifen drei Millimeter Mindestprofiltiefe. Sind die Reifen in Ordnung, können Sie sich auf den Reifenwechsel vorbereiten.

Dafür brauchen Sie laut dem ADAC dieses Equipment:

  • Wagenheber, idealerweise hydraulisch
  • Unterstellbock
  • Radkreuz
  • Drehmomentschlüssel
  • Drahtbürste
  • Schachtel für Schrauben
  • gegebenenfalls Schlagschrauber
  • gegebenenfalls Schlüssel für das Felgenschloss

Das passende Werkzeug und Zubehör finden Sie im Baumarkt. Achten Sie unbedingt auf hochwertige Arbeitsmaterialien, wenn Sie häufiger Reifenmontagen durchführen. Nicht zuletzt geht es hier um Ihre Sicherheit. So können Sie beispielsweise nur mit einem Drehmomentschlüssel die Schrauben mit dem exakt richtigen Drehmoment anziehen. So lohnt sich das Selbermachen schnell gegenüber dem Werkstatt-Besuch.

Besonderheiten bei Stahl- und Leichtmetallrädern

Gerade wenn Sie von Stahl- auf Leichtmetallräder wechseln, benötigen Sie meist verschiedene Schrauben und Muttern sowie die richtigen Schlüssel für die Felgenschlösser. Legen Sie sich alles zurecht und überprüfen Sie auch alles kurz auf Beschädigungen. Schrauben dürfen keine Risse oder Rost aufweisen. Entfernen Sie Schmutz mit einer Drahtbürste. Auf keinen Fall sollten Sie die Gewinde schmieren. Doch dieser Profi-Tipp lohnt sich: Geben Sie etwas Kupferpaste auf das Gewinde, damit Sie die Muttern beim nächsten Räderwechsel leichter wieder abbekommen.

Räder wechseln Schritt für Schritt:

  1. Handbremse anziehen. Ersten Gang einlegen bzw. Automatik-Wählhebel in Stellung P bringen.
  2. Radkappe abziehen, wenn vorhanden.
  3. Lösen Sie die Radmuttern oder -bolzen zunächst um etwa eine Viertel Umdrehung.
  4. Setzen Sie den Wagenheber an der korrekten Stelle des Unterbodens an. Achten Sie darauf, dass er sicher auf dem Untergrund steht.
  5. Heben Sie das Fahrzeug auf Montagehöhe an, also dass der Reifen ganz leicht in der Luft hängt.
  6. Schrauben Sie die Radmuttern ganz ab.
  7. Nehmen Sie das Rad ab und legen es unter das Fahrzeug. Hinweis: Leichtmetallräder können ziemlich fest auf den Zentrierungen der Stahlnaben sitzen.
  8. Wenn Sie die Reifen herunternehmen, kennzeichnen Sie sie auf der Innenseite mehrmals mit heller Kreide. Kürzen Sie die Position vorne links zum Beispiel mit VL ab, hinten rechts mit HR Tipp: Das Rad, das in der letzten Saison auf der Vorderachse war, können Sie nun auf die Hinterachse montieren – und umgekehrt. So erreichen Sie, dass sich das Profil möglichst gleichmäßig abnutzt.
    Der ADAC empfiehlt, spätestens alle 10.000 Kilometer achsweise zu wechseln. Bei unterschiedlichen Profiltiefen gehört die größere Profiltiefe auf die Hinterachse. Bei Mischbereifung, also wenn Ihre Hinterräder größer sind, geht dieser Wechsel natürlich nicht.
  9. Manche Reifen sind laufrichtungsgebunden konstruiert und haben deshalb einen Pfeil an der Reifenflanke, der die Rotationsrichtung anzeigt. Sie dürfen nur in dieser Rollrichtung montiert werden. Diese können Sie also nicht diagonal tauschen.
  10. Vor dem Aufstecken des neuen Rades reinigen Sie die Radauflageflächen. Das bietet Ihnen Gelegenheit für einen Blick auf die Bremsscheiben und Bremsbeläge. Sind diese noch in Ordnung?
  11. Setzen Sie dann das neue Rad auf und schrauben Sie alle Radmuttern mit der Hand oder dem Radkreuz handfest an.
  12. Holen Sie das abgenommene Rad unter dem Fahrzeug hervor.
  13. Lassen Sie das Auto mit dem Wagenheber wieder so weit herunter, dass der Reifen gerade auf dem Boden aufsteht.
  14. Dann können Sie die Radmuttern über Kreuz mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen. Gehen Sie mit großer Sorgfalt vor! Beachten Sie auch, dass für Noträder gegebenenfalls spezielle Anzugsdrehmomente vorgeschrieben sind.
  15. Verstauen Sie das Werkzeug und die Reifen wieder. Lagern Sie die Reifen richtig ein. Siehe dazu den nächsten Tipp.

3. Richtig einlagern

Damit Ihre Reifen in der nächsten Saison wieder fit sind, müssen Sie die Pneus auch richtig einlagern. Dafür sollten Sie zunächst den Luftdruck erhöhen, und zwar um etwa 0,5 bar über der Herstellervorgabe. Da die Reifen während der Lagerungszeit Luft verlieren werden, sorgen Sie so dafür, dass Sie beim nächsten Wechsel noch ausreichend Druck haben. Kompletträder sollten Sie übrigens waagerecht aufbewahren, zum Beispiel auf einem Felgenbaum übereinander. Reifen ohne Felgen lagern Sie besser senkrecht und drehen sie von Zeit zu Zeit. Sie können diese einfach aufstellen oder in einer Wandhalterung unterbringen. Gute Lagerorte sind Keller und Garagen, denn Reifen mögen es trocken, dunkel und kühl. Gegen eine geringe Gebühr können Sie Ihre Reifen auch in Fachwerkstätten einlagern. Für Reifenwechsel mit Einlagerung gibt es auch attraktive Paketpreise.

4. Luftdruck prüfen

Nach dem Radwechsel sollten Sie als Erstes den Luftdruck prüfen. Haben Sie keinen Kompressor zur Hand, können Sie auch an den meisten Tankstellen eine Reifendruckkontrolle durchführen. Orientieren Sie sich am vorgeschriebenen Wert des Herstellers. Oft verbirgt sich eine Übersicht auf der Innenseite Ihres Tankdeckels. Beim Reifendruck findet sich auch ein echter Spar-Tipp. Denn der richtige oder minimal erhöhte Reifendruck spart Ihnen dank des geringeren Widerstands und dadurch geringeren Verbrauch die Kosten für Sprit oder die Batterieladung und vorzeitig neue Reifen durch unnötig hohen Abrieb.

5. Schrauben nachziehen

Fahren und bremsen Sie am Anfang besonders vorsichtig mit den Winterreifen. Vor allem, wenn es sich um ganz neue Reifen handelt. Nachdem Sie ein paar Kilometer gemacht haben, sollten Sie alle Verschraubungen überprüfen. Nach ungefähr 50 Kilometern sollen Sie diesen Check durchführen und bei Bedarf die Schrauben nachziehen. Dann kommen Sie auch sicher durch die Saison. Gute Fahrt!

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